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Energieeffizienz in der Produktion: Potenziale von Nebenanlagen ausschöpfen

Andrea von Andrea
24. Juni 2026
in Produzierendes Gewerbe
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Energieeffizienz in der Produktion: Potenziale von Nebenanlagen ausschöpfen

Nebenanlagen bieten häufig Potential für Einsparungen bei Energie und Wartungseinsatz. Foto von iSawRed auf Unsplash

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Steigende Energiepreise, strengere regulatorische Vorgaben und ein intensivierter globaler Wettbewerb zwingen Unternehmen heute dazu, jede Möglichkeit zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung zu nutzen. Bei der Suche nach Einsparpotenzialen richtet sich der Blick der Produktionsleiter, Verfahrenstechniker und Betriebsplaner fast automatisch auf die Hauptprozessketten: die großen Bearbeitungszentren, die Schmelzöfen, die Spritzgussmaschinen oder die automatisierten Montagelinien.

Diese Fokussierung greift jedoch zu kurz. Während Kernprozesse oft bereits bis an die Grenze des physikalisch und technisch Machbaren optimiert sind, führen Versorgungs- und Nebenanlagen in vielen Betrieben ein Schattendasein. Sie werden häufig als unvermeidbare, rein funktionale Infrastruktur betrachtet, die schlicht mitlaufen muss.

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Genau hier liegt ein gravierendes Missverständnis: Druckluftstationen, Vakuumsysteme, Kühlwasserkreisläufe und Lüftungsanlagen sind für einen erheblichen Teil des Gesamtenergiebedarfs eines Werks verantwortlich. Wer das Gesamtsystem optimieren und signifikante Kostensenkungen realisieren will, muss die Potenziale dieser oft übersehenen Infrastrukturen systematisch erschließen.

Warum Nebenanlagen häufig übersehen werden

Der Grund für das mangelnde Augenmerk auf die Peripherie liegt in der klassischen Investitionspriorisierung. Budgets fließen primär in neue Fertigungstechnologien, da diese direkt zur Produktivitätssteigerung, Taktzeitverkürzung oder Qualitätsverbesserung beitragen. Die Energieverbräuche von Versorgungssystemen werden im Controlling selten separat ausgewiesen oder detailliert analysiert. Sie gehen stattdessen in den allgemeinen Werksgemeinkosten auf, was ihre tatsächliche finanzielle Belastung verschleiert.

Infrastrukturanlagen wie Druckluft-, Vakuum- und Kühlsysteme zeichnen sich durch ein entscheidendes Betriebsmerkmal aus: Sie laufen oft im kontinuierlichen 24/7-Betrieb – und das nicht selten unabhängig davon, ob die eigentliche Produktion gerade unter Volllast fährt oder am Wochenende ruht.

Dadurch entstehen kontinuierlich hohe Energiekosten abseits der eigentlichen Wertschöpfung. Weil in vielen älteren Werken zudem eine detaillierte Sensorik fehlt, herrscht eine ausgeprägte Intransparenz über die tatsächlichen Lastprofile und Verbräuche einzelner Aggregate.

Druckluftsysteme als bekannte Energiefresser

Beim Einsatz von Druckluft kommt nur ein Bruchteil der hineingesteckten elektrischen Energie tatsächlich als mechanische Arbeit am Werkzeug an; der Großteil wird als Wärme abgegeben. Verschlimmert wird diese physikalische Gegebenheit durch mangelhafte Anlagenzustände. Typische Ursachen für massive Energieverluste sind:

  • Leckagen im Leitungsnetz: In nicht optimierten Netzen entweichen oft 30 bis zu 50 Prozent der erzeugten Druckluft ungenutzt.
  • Überdimensionierung: Kompressoren werden häufig für unrealistische Spitzenlasten ausgelegt und laufen im ineffizienten Teillastbetrieb.
  • Überhöhtes Netzdruckniveau: Ein um nur 1 bar höherer Netzdruck steigert den Energiebedarf der Kompressoren um rund 6 bis 8 Prozent.

Diese Verluste schlagen sich direkt und spürbar in den jährlichen Betriebskosten nieder und belasten die CO₂-Bilanz des Standorts erheblich.

Optimierungspotenziale in der Druckluftversorgung

Eine moderne Druckluftversorgung setzt an mehreren Hebeln gleichzeitig an. Kernstück ist eine bedarfsgerechte Steuerung, die mittels moderner Übergeordneter Steuerungen (Master Controller) den optimalen Mix aus verschiedenen Kompressoren regelt. Durch den Einsatz moderner Kompressortechnologien – insbesondere drehzahlgeregelter Maschinen für die Abdeckung von Lastspitzen – lassen sich Leerlaufzeiten und damit Energieverschwendungen auf ein Minimum reduzieren.

Siehe auch  Nachhaltigkeit als erfolgreiche Unternehmensstrategie

Flankiert werden muss dies durch ein systematisches Leckagemanagement (z. B. mittels Ultraschall-Ortung im laufenden Betrieb) sowie ein digitales Monitoring, das kontinuierlich Produktionsdaten auswertet, um schleichende Effizienzverluste sofort zu identifizieren.

Praxisbeispiel: Nachhaltige Versorgungstechnik als Wettbewerbsvorteil

Wie die Theorie in die Praxis übersetzt wird, zeigt sich bei der Konzeptionierung moderner Fabriken oder bei der energetischen Sanierung von Bestandsanlagen. Maßgeschneiderte, zentrale Versorgungskonzepte lösen zunehmend ineffiziente Insellösungen ab.

Durch die Zentralisierung von Druckluft- und Vakuumerzeugung in einem separaten Versorgungsraum können Aggregate optimal ausgelastet, Redundanzen kosteneffizient vorgehalten und Lärm- sowie Wärmeemissionen aus den Produktionsbereichen verbannt werden. Das senkt nicht nur die Energiekosten drastisch, sondern erhöht auch die Prozesssicherheit.

Die Komplexität moderner Versorgungssysteme erfordert tiefgehendes Fachwissen, das in produzierenden Unternehmen intern selten in vollem Umfang vorhanden ist. Hier spielen spezialisierte Systempartner eine entscheidende Rolle. Sie analysieren die bestehenden Systeme vor Ort, ermitteln exakte Lastprofile und entwickeln darauf basierend individuelle, zukunftssichere Lösungen.

Für die technische Umsetzung stehen am Markt hochentwickelte, bedarfsgerecht konfigurierbare Vakuumpumpen zur Verfügung, die hohe Systemwirkungsgrade bieten. Durch die optimierten Vakuumsysteme sind Energieeinsparungen von über 50 Prozent möglich. Mit einem Fokus auf applikationsspezifische Auslegung, innovative Steuerungskonzepte und hocheffiziente Technologien gelingt es, maßgeschneiderte Lösungen zu realisieren, die höchste Prozesssicherheit garantieren und gleichzeitig die Betriebskosten sowie den ökologischen Fußabdruck signifikant minimieren.

Unterschätztes Effizienzpotential bei Vakuumtechnik

Während die Druckluftthematik in vielen Energieaudits zumindest angerissen wird, fristet die Vakuumtechnik ein noch schattigeres Dasein. Dabei ist die Erzeugung von Unterdruck ein Schlüsselprozess in fast allen modernen Industriezweigen:

  • Verpackungsindustrie: zum schnellen Evakuieren von Lebensmittelverpackungen oder zum Handling von Kartonagen
  • Robotik und Handhabungstechnik: für zuverlässige Sauggreifer an Portalen und Knickarmrobotern
  • Kunststoffverarbeitung: bei der Entgasung von Extrudern oder dem Thermoformen.
  • Holzindustrie: Zum sicheren Spannen von Werkstücken auf CNC-Bearbeitungszentren
  • Maschinenbau und Halbleitertechnik: für hochpräzise Halte-, Transport- und Beschichtungsprozesse

Ohne verlässliches Vakuum stünden hochautomatisierte Prozessketten still. Entsprechend hoch ist die Relevanz einer unterbrechungsfreien und gleichzeitig wirtschaftlichen Bereitstellung.

Wo Energieverlust entsteht

Ähnlich wie bei der Druckluft kranken viele Vakuumsysteme an historisch gewachsenen Strukturen. Oftmals sind die Anlagen deutlich überdimensioniert, weil Planer aus Sicherheitsgründen großzügige Toleranzen hinzugerechnet haben. Zudem sind vielfach veraltete Pumpentechnologien im Einsatz, die thermodynamisch ineffizient arbeiten.

Ein weiteres Problem sind dezentrale Einzelaggregate an jeder Maschine. Diese dezentralen Strukturen besitzen meist keinen optimalen Wirkungsgrad, erzeugen zusätzliche Wärme und Lärm direkt in der Produktionshalle und lassen sich nur schwer energetisch überwachen oder bedarfsgerecht regeln.

Moderne Vakuumlösungen als Effizienzhebel

Durch den Übergang zu modernen Vakuumlösungen lassen sich oft Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich realisieren. Moderne Technologien wie drehzahlgeregelte Schrauben-Vakuumpumpen oder hocheffiziente Klauen-Vakuumpumpen passen ihre Drehzahl in Echtzeit an den tatsächlichen Bedarf an.

Zudem geht der Trend hin zu intelligenten Steuerungen, die Vakuumpumpen im optimalen Betriebspunkt halten. Neben der reinen Stromeinsparung bieten zeitgemäße, wartungsarme und trockenlaufende (ölfreie) Systeme den Vorteil, dass teure Betriebsmittelwechsel und Entsorgungsaufwände entfallen, was die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership – TCO) weiter senkt.

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Ganzheitlicher Blick auf Versorgungssysteme

Eine isolierte Betrachtung einzelner Komponenten greift zu kurz. Wer lediglich eine alte Pumpe durch ein neues Modell ersetzt, schöpft nur einen Bruchteil des Potenzials aus. Erforderlich ist ein Systemansatz. Das bedeutet, das Zusammenspiel von Drucklufterzeugung, Vakuumversorgung, Kühlung und der dazugehörigen Rohrleitungsnetze ganzheitlich zu analysieren.

Beispielsweise lässt sich die Abwärme von Kompressoren und Vakuumpumpen über Wärmetauscher hervorragend zur Hallenheizung oder zur Brauchwassererwärmung nutzen. Erst durch solche integrativen Ansätze entstehen Synergien, die die Gesamteffizienz des Standorts auf ein neues Niveau heben.

Datengestützte Energieoptimierung

Die Digitalisierung bietet völlig neue Werkzeuge für das Energiemanagement von Nebenanlagen. Ein kontinuierliches Monitoring mittels Durchfluss-, Druck-, Vakuum- und Stromsensoren liefert die notwendige Datenbasis. Durch diese Verbrauchsanalyse lassen sich:

  • Lastprofile exakt visualisieren,
  • untypische Verbräuche (z. B. durch schleichende Defekte oder unentdeckte Leckagen) sofort detektieren,
  • und fundierte Entscheidungen für zukünftige Anlagenkonfigurationen treffen.

Diese datengestützte Transparenz bildet das Fundament für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) im Sinne der ISO 50001.

Energieeffizienz als strategischer Erfolgsfaktor

Die Investition in die Modernisierung von Nebenanlagen ist kein reiner Kostenfaktor, sondern eine hochrentable wirtschaftliche Maßnahme. Durch die Reduzierung der Energiekosten sinken die Herstellkosten der Produkte direkt, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Da Optimierungen in der Versorgungsinfrastruktur im Gegensatz zu Kernprozessänderungen meist ohne aufwendige Neuzertifizierungen von Produkten oder langwierige Produktionsstillstände umgesetzt werden können, amortisieren sich diese Projekte in der Praxis oft erstaunlich schnell, nicht selten innerhalb von zwei bis drei Jahren.

Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen

Neben den rein monetären Aspekten rücken ökologische Vorgaben immer stärker in den Fokus. Die Reduktion des CO₂-Ausstoßes ist längst kein freiwilliges Marketinginstrument mehr, sondern harte regulatorische Realität (z. B. im Rahmen von CSRD-Berichtspflichten). Unternehmen, die ihre Versorgungsinfrastruktur systematisch optimieren, leisten einen messbaren Beitrag zu ihren Klimaschutzzielen. Dies verbessert das Rating bei Investoren, stärkt die Positionierung als nachhaltiger Partner in globalen Lieferketten und sichert die langfristige gesellschaftliche und gesetzliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens.

Zusammenfassung

Die Transformation hin zu einer klimaneutralen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreichen Produktion erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen. Die größten Einsparpotenziale liegen heute oft nicht mehr in den Produktionsmaschinen selbst, da diese technologisch bereits weitgehend ausgereizt sind. Es ist vielmehr die oft vernachlässigte Versorgungsinfrastruktur im Hintergrund, die den Energieverbrauch, die Betriebskosten und die Nachhaltigkeitsbilanz eines Werks entscheidend beeinflusst.

Unternehmen, die ihre Druckluft-, Vakuum- und sonstigen Versorgungssysteme nicht länger als statische Infrastruktur, sondern als dynamische, optimierbare Gesamtsysteme begreifen, verschaffen sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Der Weg dorthin führt über Transparenz, datengestützte Analyse und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Technologiepartnern, um die versteckten Potenziale der Nebenanlagen vollumfänglich auszuschöpfen.

Tags: Betriebskosten senkenDruckluftsystemeEnergieeffizienzEnergiemanagementIndustrie 4.0nachhaltige ProduktionVakuumtechnikVersorgungssysteme
Andrea

Andrea

Andrea kombiniert akademisches Wirtschaftswissen mit praxisnaher Erfahrung im Finanzsektor, was sie zu einer herausragenden Autorin auf Wirtschaftsvision.de macht. Ihre berufliche Laufbahn umfasst Stationen in Unternehmensberatung und Risikomanagement, was ihr tiefgreifende Einblicke in wirtschaftliche Prozesse ermöglicht. Sie hat ein besonderes Interesse an nachhaltiger Wirtschaft und ist aktiv in Wirtschaftsforen tätig. Diese Erfahrungen fließen in ihre Artikel ein, die komplexe Wirtschaftsthemen verständlich und zugänglich machen. Andreas Schreibstil ist klar und zukunftsorientiert, wodurch sie Lesern hilft, die wirtschaftlichen Herausforderungen und Chancen zu verstehen.

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