Ein Kommentar von Katharine Neiss, Chief European Economist bei PGIM Fixed Income:
Die Wachstumsaussichten bleiben weitgehend unverändert, da steigenden deutschen Staatsausgaben durch höhere US-Zölle ausgeglichen werden
Die EZB dürfte angesichts einer Gesamtinflation von 2 % für den Rest des Jahres 2025 keine weiteren Zinssenkungen mehr vornehmen. Das Wachstum befindet sich in einem akzeptablen Bereich und der Arbeitsmarkt bleibt robust, sodass keine dringende Notwendigkeit für Zinssenkungen besteht. Gleichzeitig lassen jüngste Erhebungen der EZB darauf schließen, dass sich die neutrale Zinsbandbreite um 50 bis 75 Basispunkte erhöht hat, wodurch 2 % nun genau in der Mitte der neuen neutralen Bandbreite liegen.
Damit sich die für 2026 erwartete (vorübergehende) Inflation unterhalb des Zielwerts nicht verfestigt, erwarten wir, dass die EZB ihren Leitzins Anfang 2026 auf den unteren Rand des neutralen Bereichs senken wird, bevor die Zinsen mit der Verbesserung der Konjunkturdynamik wieder in Richtung Mitte/Obergrenze des Bereichs steigen.
Wir gehen daher davon aus, dass die Zinsen bis zum Jahresende bei 2 % bleiben und in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um 25 Basispunkte sinken werden.
Deutschland
Mit fast 25 % des BIP von 2024 werden Umfang und Geschwindigkeit der deutschen finanziellen Kehrtwende das Wachstum in Deutschland ankurbeln und sich auf die gesamte Eurozone, insbesondere Italien und die CEE-Region, auswirken. Unser Basisszenario geht davon aus, dass das jährliche BIP-Wachstum in Deutschland im Jahr 2026 deutlich von knapp zuvor 0 % auf zuvor 1,0 % steigen und damit das Wachstum in Europa um etwa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte erhöhen wird.
Allerdings muss die deutsche Regierung ihre Ausgabenpläne noch umsetzen. Der Bau- und Tiefbausektor sieht sich mit Kapazitäts- und Qualifikationsengpässen konfrontiert, und die privaten Investitionen in Deutschland liegen weiterhin deutlich unter dem Trend.
Eine wesentliche Schwäche des Finanzplans scheint darin zu bestehen, dass er Ausgaben gegenüber Reformen priorisiert, sodass letztere nun als weniger wahrscheinlich angesehen werden. Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt eine zentrale Herausforderung angesichts des geringen politischen Willens zu Reformen.
Momentan halten wir die deutschen Finanzausgaben für eine Maßnahme, die das Wachstum eher nach unten begrenzt, als dass sie das potenzielle Wachstum nach oben öffnet.
















